Turlough O'Carolan   (1670 - 1738)
Ein reisender Harfner zwischen keltischer Tradition und italienischem Barock

Er wurde als Sohn eines Farmers im irischen County Meath geboren und wäre vielleicht auch Farmer geworden, hätte er nicht im Alter von 18 Jahren sein Augenlicht verloren. Viele Harfner Irlands waren Blinde, so ermöglichte ihm die Chefin seines Vaters drei Jahre Unterricht auf der Harfe und stattete ihn mit Harfe, einem Führer und einem Pferd aus.

Mit einundzwanzig Jahren begann sein Leben als reisender Harfner. Sein erster Gastgeber ermutigte ihn zum Komponieren. Ein glücklicher Moment für ihn, denn seine erste Komposition "Sheebag and Sheamore" machte ihn auf einen Schlag in ganz Irland berühmt.

Die dreißig Silberknöpfe seiner Jacke waren seine Harfe, wenn er beim Reisen, auf dem Pferd sitzend, komponierte. Zur Ankunft bei seinem nächsten Gastgeber war die Komposition fertig zum Spielen. Anders als damals üblich, setzte er zuerst die Melodie und fügte dann die Worte hinzu. Fast alle Lieder Carolans tragen die Namen seiner Gastgeber und Freunde. Sie sind wie musikalische Portraits, mit dem inneren Auge gesehen und mit den Farben der Harfentöne gemalt.

Carolan liebte die italienische Musik, war aber gleichzeitig stolz auf seine keltische Tradition. Doch um 1700 waren fast alle irischen Musikliebhaber verrückt nach italienischer Musik, und so forderte er eines Tages den italienischen Virtuosen Geminiani zu einem Wettbewerb heraus. Der Sage nach spielte der Geiger das 5. Violinkonzert von Vivaldi und Carolan spielte es fehlerfrei nach. Bei einer geheimnisvoll verschlungenen keltischen Ballade blamierte sich der eher notenorientierte italienische Stargeiger hingegen gewaltig. Die Ehre der irischen Musik war gerettet!

Turlough O'Carolan war ein reisender Harfenspieler und Komponist.
Er verband die über das Ohr weitergegebene alte keltische Harfenmusik mit der lebensfrohen Klangwelt des Barock, schuf so seinen eigenen unverwechselbaren Stil und gilt heute heute als bedeutender irischer Musikschaffender, der eine Brücke von klassischer Musik zu traditioneller Volksmusik baut, denn seine Lieder und Instrumentalwerke werden sowohl in Konzertsälen als auch in Pubs gerne gespielt.

Carolan spielte den alten irischen Stil, wie ihn die amerikanische Harfenistin Ann Heymann in langen Jahren erforscht hat. Das Arrangement wird nicht wie heute üblich in Melodie und Begleitung aufgeteilt, sondern die Hände trennen sich in betont und leicht, ähnlich wie es beim Trommeln geschieht.

Hier finden Sie Arrangements in dieser Spielart.